Wetterrückblicke von Karl Josef Linden seit Januar 2006

Wetterrückblick Juli 2006


Ein Juli wie am Mittelmeer


Es passte einfach alles. Nicht nur das das Wetter bis zum Endspiel am 9. Juli hielt, nein auch bis Ende Juli und damit fast die ganzen Sommerferien herrschte ein Wetter wie sonst nur am Mittelmeer.
Der Juli 2006 war auch im Kreis Düren und in der Nordeifel der bislang wärmste und sonnigste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen in Westeuropa im Jahre 1706 (De Bilt).


Die Summe aller Tages- und Nachtwerte der Temperatur ergab in Düren ein Mittel von 22,9 Grad. Rund um die Kreisstadt waren es in Heimbach 21,3 Grad, in Zülpich 22,3 Grad, in Nörvenich 23,0 Grad und in Düren-Hoven sogar 23,4 Grad.  Sogar die Ortschaften oberhalb von 400 m Seehöhe lagen z.T. erstmals mit der Mitteltemperatur über 20 Grad (Schmidt 22,4 Grad; Vossenack 21,9 Grad).
Die Abweichung vom 30-jährigen Mittel war enorm und betrug in Düren stolze + 4,6 Grad, das entspricht normalerweise südfranzösischen Stationen zwischen Monaco und Cannes. Nur der Juli 1994 war bei uns annähernd so warm wie dieser.
Kein Wunder das die Getreideernte in nur 4 Wochen in der Scheune war (2. bis 31.7.).
10 Tage nach der Fußball-WM wurden am 19. Juli kreisweit die höchsten Temperaturen des Sommers 2006 abgelesen. Seit Beginn der Beobachtungen (1829) im Raum Düren-Aachen wurden im zweiten Monatsdrittel des Juli noch nie so hohe Temperaturen gemessen.


Im Stadtgebiet Düren reichte es aber nicht ganz aus, um den Rekord des August 2006 zu brechen, damals wurden an der Landwirtschaftsschule 39 Grad gemessen, jetzt 36,5 Grad an der Rur.


Aufgrund der herausragenden Werte hier einige Stationen mit ihren Höchstwerten zur Information und zum Vergleich:
Heimbach und Hergarten 35,5 Grad, Schmidt 35,6 Grad, Vossenack 36,0 Grad; Nörvenich und Jülich 36,4 Grad, Aldenhoven und Zülpich 36,7 Grad, Vlatten 37,5 Grad, Vettweiß 37,9 Grad und am wärmsten war Düren-Hoven mit 38,3 Grad .
Die subtropischen Mittelmeerverhältnisse im Juli 2006 wurden zudem durch die bisher nie erreichte Zahl an Sommertagen bestätigt. Badewetter von min. 25 Grad herrschte in den Niederungen an 29 Tagen (Zülpich) und auch auf den Eifelkuppen durften die Bewohner noch äußerst seltene 16 Sommertage genießen (Schmidt).


Die Zahl der Hitzetage (15 in Düren) entsprach dem Juli 1994 und dem August 2003.
Das Maß aller Sonnenscheinrekorde ist nach wie vor der Super-Mai 1989 mit 328 Sonnenstunden in Nörvenich und 316 Stunden in Jülich.


In diesem Jahr gab es den sonnigsten Juli aller Zeiten, aber auch die absoluten Rekorde wurden geknackt:
Heimbach Tallage 285 Stunden, Vossenack und Zülpich 310 Stunden, Aldenhoven 322 Stunden, Nörvenich 323 Stunden, Düren 331 und Kalterherberg 295 Stunden. Ein normaler Juli erreicht nur 200 Sonnenstunden.
Kurios war auch die Verteilung der Tropennächte über 20 Grad. Viele Stationen in den Städten oder am Stadtrand waren deutlich überhitzter als solche in den Tallagen: Zülpich und Heimbach keine Tropennacht, in Schmidt und Vossenack dagegen  3 Tropennächte.
Der Monat Juli wurde zudem überwiegend von Trockenheit geprägt, auch wenn örtlich heftige Gewitter niedergingen. Einer Verdunstungsrate von 170 l/qm stand oft nur eine geringe oder kurzzeitige Regenmenge entgegen. Kein Wunder, das die Bäche Niedrigwasser führten und viele Bäume und Sträucher vertrockneten. Die Gartenwiesen wurden zur Steppe und es gab zahlreiche Wald- und Feldbrände.


Die Wassertemperatur unserer heimischen Seen und Swimmingpools stieg zeitweise über 25 Grad an.
Die Ursache dafür, dass die Gesamtregenbilanz des Monats dennoch sehr unterschiedlich ausfiel, waren die Gewittertage. Wenige, aber sehr intensive gewittrige Unwetter, ließen die Summen örtlich erheblich steigen. Dadurch wird das extrem trockene Wetter ins Gegenteil verzerrt.


Besonders trocken und von Gewittern verschont blieb es diesmal im Raum Heimbach mit nur 16 l/qm. Das was die eine Ortschaft in einem Monat zusammenzählte, kam in anderen innerhalb einer Stunde vom Himmel. Dabei bildeten sintflutartige Regenmengen oft eine weiße Wand aus Regengischt und Böen der Stärke 8 trieben das Wasser unter jede Haustür. Kanaldeckel tanzten in 1m Höhe über der Straße und Feuerwehren pumpten anschließend die Keller leer.


Die heftigsten Starkgewitter gingen zum Glück im Juli am Kreis Düren vorbei. Am 5. Juli  regnete es in Düren fast 30 l/qm, am 11. Juli zog über Zülpich eine Windhose mit 29 l/qm hinweg und am 28. Juli schüttete es in Jülich mit 32 l/qm wie aus Eimern.


Ob man diesen Juli 2006 als extrem oder einen Jahrhundertmonat bezeichnen kann werden die nächsten Jahre zeigen. Im Zeitalter der Klimaerwärmung kann es im Aachener Land durchaus noch wärmere und sonnigere Sommermonate gegen, wenn sich erneut sehr kontinental geprägte Jahre wie im Juli 2006 einstellen. So konnte der „Rekordmonat“ August 2003 seinen Ruf nur 3 Jahre verteidigen.

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